Übungsdienst der 4. Gruppe

Turm
Turm mit Simulationspuppe
Turm mit Simulationspuppe

Der erste Herbststurm 2025 fegte über Niedersachsen. In vielen Landesteilen stürzten Bäume um, und Gebäude wurden beschädigt.
Bei zahlreichen Sturmschäden wird die Feuerwehr zur Hilfe gerufen: umgestürzte Bäume müssen beseitigt und Gebäudeteile gesichert bzw. entfernt werden.

Das war die Inspiration für die Übungslage der 4. Gruppe der Ortsfeuerwehr Winsen (Aller) am 24.10.2025. Um 19:10 Uhr machten sich die Kameradinnen und Kameraden mit zwei Einsatzfahrzeugen auf den Weg, um eine verunfallte Person aus einer misslichen Lage zu retten.

Das angenommene Szenario stellte sich wie folgt dar: An einem Werbeturm an der Bannetzer Straße hatten sich Teile durch den Wind gelöst und drohten herabzustürzen. Ein Mitarbeiter der Kommune wollte die losen Teile sichern und rutschte dabei ab. Da bei solchen Arbeiten die Sicherheit an erster Stelle steht, hatte der Mitarbeiter einen Auffanggurt angelegt. Dieser bewahrte ihn vor einem Absturz. Nun hing er in seinem Sicherungssystem und konnte sich nicht selbst aus der Lage befreien.

Die Einsatzkräfte hatten die Aufgabe, den Mitarbeiter aus der Höhe abzuseilen und die Einsatzstelle ausreichend auszuleuchten.

Das ersteintreffende Fahrzeug übernahm die Erkundung der Einsatzstelle und entschied sich für eine sofortige Rettung über die mitgeführte dreiteilige Schiebeleiter, um den Patienten schnell zu erreichen (bei solchen Lagen kommt auch die Drehleiter häufig zum Einsatz). Die Besatzung des zweiten Fahrzeugs begann parallel mit der Ausleuchtung der Einsatzstelle.

„Bei Arbeiten in der Höhe sind Absturzsicherungen vorgeschrieben. Sie verhindern zwar einen Absturz, doch ein längeres Hängen im System ist gefährlich: Es droht ein Hängetrauma. Ein Hängetrauma ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der durch längeres, regungsloses Hängen in einem Auffanggurt verursacht wird und zu einem Kreislaufschock führen kann. Dabei versackt Blut in den Beinen, wodurch die Sauerstoffversorgung von Gehirn und Organen massiv eingeschränkt wird. Deshalb ist eine schnelle Befreiung aus der Zwangslage erforderlich.“

Parallel zum Aufstellen der Leiter wurde das Auf- und Abseilgerät einsatzbereit gemacht. Nachdem die Leiter sicher aufgestellt war, begab sich eine Einsatzkraft zu dem Verunfallten in die Höhe. Es wurde angenommen, dass die Person bis zum Zeitpunkt des Erreichens bei Bewusstsein war. Nun hatte sich die Situation jedoch deutlich verschlechtert: Die Person konnte zu ihrer Rettung nicht mehr beitragen. Sofort wurde über eine Leine das Auf- und Abseilgerät hochgezogen und angebracht. Es besteht die Möglichkeit, die Person mit einem Rettungsdreieck sicher abzuseilen, oder den vorhandenen Auffanggurt als Hilfsmittel zu nutzen. Zum Befestigen reicht in diesem Fall ein einfacher Karabiner, da die Anschlagpunkte des Gurts genutzt werden können. Nachdem das Gerät sicher mit dem Gurt verbunden war, löste die Einsatzkraft das Verbindungsmittel (Sicherungsseil) am Gurt; die Person konnte nun abgelassen werden.

Nach dem Ablassen muss die Person gelagert und betreut werden – auch dies wurde entsprechend geübt. Eine schnelle Rettung und die sofortige Erste Hilfe sind entscheidend. Der Blutfluss in den Beinen muss nun langsam wieder in Gang gesetzt werden. Die initiale Lagerung richtet sich nach dem Wunsch des Betroffenen; häufig ist eine Flachlagerung sinnvoll (die früher empfohlene Kauerstellung gilt als überholt und wird nicht mehr gelehrt).

Nach der Übergabe des Patienten an den Rettungsdienst begann die Rücknahme der Gerätschaften. Nach einem kurzen Abschlussgespräch über die Vorgehensweise bei derartigen Einsätzen fuhren die Einsatzkräfte zum Standort zurück. Dort wurde als zweite Aufgabe eine Geräteablage für einen Verkehrsunfall aufgebaut. Nachdem alle Gerätschaften aus beiden Einsatzfahrzeugen auf der Ablageplane bereitgestellt waren und die Brandsicherheit mit Schnellangriff (Löschwasser) sowie Feuerlöschern (ABC-Pulver und CO₂) sichergestellt war, wurden die einzelnen Gerätschaften benannt und deren Verwendungszweck besprochen. Dadurch entstand ein lebhafter Austausch zwischen den Einsatzkräften. Die Jüngeren profitieren von den sogenannten „alten Hasen“ und deren Erfahrung zu den vielseitigen Einsatzmöglichkeiten diverser Geräte. Auch bei den Einsatzerfahrenen wird durch die Stationsausbildung vergessenes Wissen wieder aktiviert und kann bei einem Einsatz entscheidend helfen.

Zum Abschluss folgte das obligatorische Gespräch über den Ausbildungsdienst. Alle stellten fest, dass man bei der Vielzahl an Einsatzmöglichkeiten der Gerätschaften in der freiwilligen Tätigkeit nicht das komplette Fachwissen erlangen kann. Teamarbeit – „Zusammen schaffen wir das!“ – ist die beste Lösung für die immer komplexeren Einsätze der Feuerwehr. Jede und jeder bringt sein ganz spezielles Fachwissen ein, sei es durch ehrenamtliches Engagement oder die berufliche Tätigkeit.

Leitspruch:
Einer für alle, alle für einen. Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr.

Freiwillige Feuerwehr Winsen (Aller)

Stechinellistr. 4
29308 Winsen (Aller)